Gratis Aktien? Eine Marketingstrategie unter die Lupe genommen

Gratis Aktien? Eine Marketingstrategie unter die Lupe genommen
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Immer mehr private Anleger und Trader lassen sich von Apps begeistern, mit denen problemlos Aktien gekauft wie verkauft werden können - und das zum Teil ohne Extragebühren. Scalable Capital, Trade Republic und Robinhood sind die bekanntesten Anbieter am Markt. Bux Zero, eine App aus den Niederlanden, ist seit Juni für deutsche Neo-Broker verfügbar und soll mit einem Referral-System ermöglichen, Gratis-Aktien zu bekommen. Innerhalb weniger Wochen konnte man so mehrere Tausend Aktienfans gewinnen.

Aber ist die App tatsächlich zu empfehlen oder sollte man hier besonders vorsichtig sein? Denn wer Aktien online kaufen will, der weiß, dass man - zumindest so die Regel - Gebühren zu bezahlen hat.

Aktien als Geschenk

Als Werbegeschenk gibt es Gratis-Aktien

Mit Gratisprodukten gewinnst du Menschen. Dan Ariely, ein Verhaltensökonom, hat herausgefunden, dass die Mehrheit lieber einen Gutschein des Online Giganten Amazon im Wert von 10 US Dollar geschenkt bekommt, als 7 US Dollar für einen Gutschein im Wert von 20 US Dollar zu bezahlen. Solange man nicht dafür bezahlen muss, sind die Leute - so zumindest besagt es die Theorie - mit dabei.

Dieses menschliche Verhalten hat man sich bei Bux näher angesehen und eine Marketing-Strategie anhand des Drangs, kostenlose Sachen zu bekommen, entworfen. Das Unternehmen versucht - und das ziemlich aggressiv - junge Menschen davon zu überzeugen, mit ETFs wie Aktien zu handeln. Wird die App weiterempfohlen, so bekommt man eine zufällig ausgewählte Aktie kostenlos ins Depot gelegt - der maximale Wert liegt bei 200 Euro. Eine klassische Referral-System-Methode. Mit dem Unterschied, dass hier noch die Faktoren Zufall und Glück hinzukommen.

Das Unternehmen wurde im Jahr 2014 in den Niederladen gegründet und bietet seine Dienste seit Juni 2020 auch in Deutschland an.

Der Wert der Gratis-Aktie liegt bei durchschnittlich 7,50 Euro

Eine Gratis-Aktie, die dem Trader ins Depot gelegt wird, hat einen durchschnittlichen Wert von 7,50 Euro. Aufgrund der Tatsache, dass nicht nur der Werber eine Aktie bekommt, sondern auch der Geworbene, liegen die Customer Acquisition Costs - CAC - bei 15 Euro. Jedoch dürfte sich dieser Kostenpunkt relativ schnell in einen Gewinn umwandeln - einerseits aufgrund des Word of Mouth-Marketings (Mundpropaganda), andererseits auch deshalb, weil man sich teure Werbung in sozialen Netzwerken erspart.

Mit einer ähnlichen Aktion versucht es derzeit übrigens auch Trade Republic. Für Empfehlungen gibt es 5 Euro.

Für Zocker gibt es Robinhood, für die langfristigen Anleger Bux Zero

Bargeld

„Wir wollen unseren Nutzern beweisen, dass das Investieren auch Spaß machen kann“; so Nick Bortot, einer der Gründer von Bux. Jedoch geht es Bux nicht darum, Zocker anzusprechen. Auf diese Zielgruppe hat sich Robinhood spezialisiert. Bux bietet etwa keinen Optionshandel an. „Wir wollen kein Dynamit austeilen“, so Bortot. „Uns ist wichtig, dass wir die Neuinvestoren an der Hand nehmen.“ Somit gibt Bortot klar zu verstehen, dass Bux eine App für Anfänger ist, die noch keine (oder nur sehr wenige Erfahrungen) mit dem Aktienhandel gemacht haben. Zudem möchte man, dass langfristig investiert wird.

Aufgrund der Tatsache, dass man mit dem Angebot Anfänger ansprechen will, würde man auch niedrigere Anlagebeträge vorschreiben - hier würde man ganz klar unter den durchschnittlichen Beträgen von anderen Brokern liegen.

Das Interesse an Aktien steigt

Bux scheint mit der Strategie Erfolg zu haben. Denn es werden bereits Überlegungen angestellt, in Deutschland eine Niederlassung zu eröffnen - somit würde es in der Bundesrepublik sodann ein Büro geben. Aktuell nutzen mehr als 2,5 Millionen Menschen aus neun Ländern das Angebot. Noch ist unklar, ob man neue Investorengelder aufnehmen möchte.

Die Zeit für eine Investorenrunde wäre durchaus reif. Denn auch bei Bux weiß man, dass das Interesse am Aktienmarkt steigt. Und die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die in den nächsten Jahren mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit fortgesetzt werden wird, macht Sparbücher, Tages- und/oder Festgeld weiterhin nicht attraktiver.

Das heißt, am Ende hat man gar keine große Wahl, als sich auch als sicherheitsorientierter Sparer mit dem Aktienmarkt zu befassen. Angebote wie Bux sind hier vor allem gefragt, weil man von Anfang an klar macht, Anfänger damit ansprechen zu wollen.

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