Zeugnissprache – Die Geheimsprache der Arbeitswelt entschlüsseln

Zeugnissprache – Die Geheimsprache der Arbeitswelt entschlüsseln
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Jeder Arbeitnehmer, ob Marketing Manager oder Marketing Assistant, wird mit der Zeugnissprache früher oder später in Kontakt kommen: Der Arbeitgeber ist nach § 630 BGB und § 109 GewO dazu verpflichtet, jedem Arbeitnehmer ein Arbeitszeugnis auszustellen, sobald er das Unternehmen verlässt. Dieses ist in einem ganz bestimmten Stil geschrieben, nämlich in Zeugnissprache. Diese enthält mitunter doppeldeutige Phrasen und Wörter, deren Bedeutung entschlüsselt werden muss.

Das Arbeitszeugnis soll über die ausgeführte Tätigkeit, Arbeitsqualität und häufig über das Sozialverhalten des Mitarbeiters informieren. Spätere Arbeitgeber sollen damit die Qualifikation und die Passung des Mitarbeiters einschätzen können. Aber auch der Arbeitnehmer profitiert von einem Arbeitszeugnis in Form eines Nachweises über seine Fähigkeiten und Fachkenntnisse.

Zeugnissprache – warum gibt es sie überhaupt?

Der Arbeitgeber muss laut historischen Urteilen des Bundesarbeitsgerichts von 1960 und 1963 das Arbeitszeugnis wohlwollend und wahrheitsgemäß ausstellen. Was erst einmal für den Arbeitnehmer positiv klingt, birgt auf der anderen Seite Konfliktpotenzial. Der Arbeitgeber möchte einem Mitarbeiter, der keine gute Leistung erbracht hat, kein positives Zeugnis ausstellen. Im Verlauf der Zeit hat sich also eine sogenannte Zeugnissprache entwickelt, bei der augenscheinlich positive Formulierungen eine implizit abwertende Bedeutung besitzen.

Welche Geheimformulierungen der Zeugnissprache gibt es?

Das Wissen über Beispielformulierungen hilft Ihnen, Ihr persönliches Arbeitszeugnis auf etwaige versteckte negative Aussagen zu überprüfen und gegebenenfalls bei Ihrem Arbeitgeber zu reklamieren.

In der sogenannten Zeugnissprache existiert eine Fülle an Formulierungen, die an dieser Stelle nicht alle erklärt werden können. Klassische Beispiele sind jedoch:

  • „seine Geselligkeit trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei“
    -> Deutet auf Alkoholkonsum am Arbeitsplatz hin
  • „Wir wünschen alles Gute und Gesundheit.“
    ->
    Hinweis auf viele Krankheitstage

Über diese versteckten abwertenden Botschaften hinaus zeichnet sich die Zeugnissprache durch sprachliche Feinheiten aus, die auf Basis von Satzbausteinen eine grobe Klassifikation in Schulnoten zulässt.
Beispiele für die Note 1 sind:

  • „wurde von Kollegen, Vorgesetzten und Kunden stets als freundlicher und fleißiger Mitarbeiter geschätzt“
  • „verfügt über hervorragende und fundierte Fachkenntnisse“

Beispiele für Note 6-Formulierungen sind:

  • „war um eine zuverlässige Arbeitsweise bemüht“
  • „Arbeitsqualität entsprach meistens den Anforderungen“

Weitere Geheimcodes und deren Übersetzung können Sie hier nachlesen.

Was tun bei abwertender Zeugnissprache?

Nach der eigenen Durchsicht empfehlen wir zusätzlich, einen Experten mit der Beurteilung Ihres Arbeitszeugnisses zu beauftragen. Geschulte Zeugnisexperten können das Dokument in seiner Gesamtheit begutachten. So können ausschließlich „sehr gute“ Formulierungen sogar ins Negative umschlagen, wenn sie den Arbeitnehmer zu übertrieben gut darstellen. Eine „nur“ gute (Note 2) Formulierung wirkt an der richtigen Stelle sogar glaubwürdiger.

Falls Sie eine versteckte negative Formulierung in Ihrem Arbeitszeugnis entdecken, sollten Sie umgehend handeln und den Arbeitgeber um eine Verbesserung bitten. Das heißt konkret, dass das Arbeitszeugnis mit seiner Zeugnissprache mindestens die Note 3 widerspiegeln muss. Im Ernstfall entscheidet ein Gericht über die in der Zeugnissprache verfasste Bewertung, das gegebenefalls den Arbeitgeber dazu auffordert, das Arbeitszeugnis zu verbessern.

Fazit

Das Arbeitszeugnis ist eins der wichtigsten Dokumente Ihrer Karriere und für das Weiterkommen in der Marketingwelt unentbehrlich. Ein negatives Arbeitszeugnis bedeutet bei den meisten Personalern das K.O. für den weiteren Bewerbungsverlauf. Ein übertrieben positives Zeugnis oder das Fehlen von bestimmten Informationen kann dagegen auch als abwertend ausgelegt werden. Kenntnisse über die Zeugnissprache helfen Ihnen, Doppeldeutungen zu erkennen und ein Ihren Leistungen entsprechendes Arbeitszeugnis zu erhalten.

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