Benchmarking – Über den Tellerrand schauen und lernen

Benchmarking – Über den Tellerrand schauen und lernen
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Benchmarking ist seit Mitte der 90er Jahre ein etabliertes Verfahren, um Marketingprozesse zu auditieren und die eigenen Maßnahmen kontinuierlich zu optimieren. Sind wir eigentlich gut? Wie gut sind wir wirklich? Nutzen wir unser Marketingbudget effektiv und effizient? Diese Fragen rücken in vielen Marketingabteilungen immer mehr in den Mittelpunkt der Rechtfertigungsdiskussion. Natürlich kann man immer antworten: Klar sind wir gut, wir machen das schon seit 20 Jahren so, wir sind gut ausgebildet!

Aber ist das wirklich so? Können wir nicht doch noch besser werden? Machen auch mal neue Wege und Ansätze Sinn? Mit Benchmarking kann eine Marketingabteilung Ihre Leistungen kontinuierlich optimieren.

Benchmarking

Benchmarking – Eine Definition für den Marketingalltag

„Benchmarking beschreibt einen ständigen Prozess des Strebens eines Unternehmens nach Verbesserung von Leistungen und Prozessen durch Orientierung an internen oder externen Bestleistungen.“

Ziel des Benchmarking ist es, nach Vergleichsgrößen und Richtwerten („Benchmarks“), z.B. bezüglich relevanter KPIs wie Kosten, Zeit, Qualität, Ergebnissen, Kundenzufriedenheit etc. zu suchen, die repräsentativ sind für die besten Verfahren und Methoden in einer Branche oder gegebenenfalls auch branchenübergreifend. Benchmarking dient in der Regel der Qualitätssicherung, aber auch der Wettbewerbsbeobachtung und Effizienzanalyse. Es gilt, Potenziale zu identifizieren und auszuschöpfen.

So können bspw. Marketingeinheiten systematisch entlang definierter Key Performance Indicators (KPIs) an die Top-Leistung („Best in Class“) herangeführt werden. Dabei können drei Ausprägungen von Benchmarking-Analysen unterschieden werden:

  • Internes Benchmarking
  • Wettbewerbs-Benchmarking (innerhalb einer Branche)
  • Branchenübergreifendes Benchmarking

Objekte des Benchmarking können Produkte, Dienstleistungen, Strategien, Prozesse, Organisationsstrukturen, Methoden, Vertriebseinheiten, Verfahren etc. sein. Dabei geht es nicht darum, andere Unternehmen zu kopieren, sondern Erkenntnisse zu erlangen, was andere Unternehmen besser machen und warum. Benchmarking kann somit als strukturierter Lernprozess bezeichnet werden.

Typische Fragestellungen im Rahmen des Benchmarking können zum Beispiel sein:

  • In welchen Bereichen ist unser Wettbewerber besonders stark?
  • Was machen andere besser als wir selber?
  • Wie gehen andere mit den aktuellen Trends um?
  • Mit welchen Maßnahmen können wir selbst besser werden?

Erfasst werden können zum einen quantitative Aspekte, wie die Umsatzrendite, Produktdeckungsbeiträge, der Marketing-/Vertriebsaufwand oder Recall-/Recognitionwerte, und zum anderen qualitative Aspekte, wie die Erhebung von Abläufen, Rahmenbedingungen, Qualifikationen, Kapazitäten oder Tools.

Die folgende Tabelle zeigt mögliche Benchmarking-Parameter im Überblick.

Benchmarking

Benchmarking Quellen

Die Informationen für das Benchmarking mit Wettbewerbern stammen meist aus Studien und Daten von Unternehmensberatungen, Kammern, Verbänden oder Forschungsinstitutionen sowie aus Firmenpublikationen und aus der Presse. Auch das Wissen von Mitarbeitern über Wettbewerber lässt sich sinnvoll nutzen. Sehr häufig werden Benchmarking-Analysen in der Praxis branchenübergreifend durchgeführt, um von Unternehmen lernen zu können, deren Existenz bspw. stärker von einem spezifischen Prozess abhängt als das eigene Unternehmen, weil zu vermuten ist, dass gerade diese Unternehmen bereits in Bezug auf innovative Ansätze und Instrumente weiter entwickelt sind.

Ein zielgerichtetes systematisches Benchmarking als Instrument im Performance Marketing kann ein sehr wirksames Management-Tool sein, vorausgesetzt es besteht ein Verständnis für das Geschäftsmodell des Unternehmens, für die Wertschöpfungshebel der Geschäftsbereiche sowie für die Erfolgstreiber im Einzelnen. Dabei gilt es, Akzeptanz für den systematischen Leistungs- und Potenzialvergleich zu schaffen und gleichzeitig sicherzustellen, dass Gleiches mit Gleichem verglichen wird. Dies gelingt z.B., indem ähnliche Cluster (z.B. Gruppen von Marketingeinheiten) identifiziert werden, ein Benchmarking-Bericht entlang relevanter Steuerungsinformationen erarbeitet sowie eine systematische Vorgehensweise etabliert wird.

Marketing 4.0

Der Benchmarking Prozess

Die wichtigsten Schritte zum Aufbau, zur Anwendung sowie zur Etablierung eines systematischen Benchmarking zeigt die nachfolgende Abbildung.

Benchmarking Prozess

Im ersten Schritt sind zunächst pragmatisch geeignete und akzeptierte Vergleichsgruppen zu identifizieren. Um etwa vergleichbare Marketingeinheiten zu bilden, sind geeignete Kriterien und Klassen zu bestimmen, nach denen die Marketingeinheiten „als vergleichbar“ eingestuft werden können (z.B. nach der Größe des Geschäftsfeldes). Diese vergleichbaren Marketingeinheiten werden im zweiten Schritt innerhalb ihrer Vergleichsgruppe anhand einer Vielzahl geschäftsrelevanter und zielorientierter KPIs den Referenzwerten (z.B. dem Durchschnitt der besten 20% des Clusters) im Benchmarking-Bericht gegenübergestellt. Daraus lassen sich im dritten Schritt Unterschiede entlang der gewählten KPIs erkennen, die Ansatzpunkte für Verbesserungen liefern. Im vierten Schritt müssen diese Verbesserungspotenziale interpretiert und eingeordnet sowie in Ziele und zu definierende Maßnahmen überführt werden. Die nachhaltige Verbesserung der Leistungsfähigkeit wird schließlich durch die Optimierung der Teileinheiten erreicht und durch ein geeignetes Maßnahmen-Controlling begleitet.

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Fazit zum Benchmarking

Der große Vorteil von Benchmarking-Analysen besteht in der Möglichkeit, praxiserprobte Kostensenkungs- und Produktivitätssteigerungspotenziale unmittelbar abzuleiten. Darüber hinaus sind eine schnelle Umsetzbarkeit, ein besseres Verständnis der eigenen Prozesse/Abläufe sowie eine bessere Information bzw. Motivation der Mitarbeiter erreichbar.

Risiken bestehen bei der Informationsbeschaffung, insbesondere von Primärdaten, und der selten gegebenen, aber häufig unberücksichtigten Vergleichbarkeit der Benchmarking-Objekte bzw. Leistungswerte und der sich daran unter Umständen anschließenden undifferenzierten Übernahme von Problemlösungen der Vergleichspartner.

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